Mobbing: Warum manche Menschen immer wieder Opfer werden und wie eine systemische Aufstellung in der Gruppe helfen kann

Wer sich als Erwachsener am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder vielleicht sogar vom eigenen Partner gemobbt fühlt, macht diese Erfahrung vermutlich nicht zum ersten Mal im Leben. Die meisten Mobbing-Betroffenen wurden bereits in der Kindheit mit diesem Verhalten, das besonders in Gruppen seine verheerende Wirkung beim Opfer entfaltet, konfrontiert. Lesen Sie, wie eine systemische Aufstellung helfen kann, unbewusste Dynamiken in Gruppen offenzulegen und welche Strategien am besten gegen Mobbing wirken.

 

 

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Inzwischen wird Mobbing als allgegenwärtiges Problem wahrgenommen, es gibt sogar Initiativen an Schulen, die sich gegen Mobbing stark machen.

 

Doch bis heute gibt es auch immer wieder Eltern und Lehrer, die dem Phänomen mehr oder weniger hilf- und ratlos gegenüberstehen. Noch immer werden Kinder und Heranwachsende mit nett gemeinten Ratschlägen wie „Dann musst du dir eben ein dickes Fell zu legen und dich auch mal wehren“ abgespeist. Mobbing wird bis heute oft bagatellisiert. Was es Furchtbares in einem Menschen anrichten kann, das weiß vermutlich nur derjenige, der es selbst erfahren musste.

 

 

Mobbing: Warum manche Menschen gemobbt werden

 

Die Kindheit ist die Phase im Leben eines Menschen, in der die eigene Persönlichkeit noch nicht ausgereift ist. Es ist die Zeit, in der wir am sensibelsten auf Verletzungen durch andere reagieren. Dazu zählen auch, oder vielleicht gerade, rein verbale Verletzungen, wie Lächerlich machen, Bloßstellen oder Beschimpfungen.

 

Nicht alle Kinder haben von Natur aus die Kraft, sich gegen solche Angriffe angemessen zur Wehr zu setzen. Regelmäßig kann das zum Beispiel auch bei Kindern beobachtet werden, die hochsensibel sind. Ein allzu ruppiger Umgang unter Gleichaltrigen erschreckt diese Kinder und er erscheint ihnen auch als unpassend. Andere Kinder können die daraus resultierende Unsicherheit spüren.

 

Diese Unsicherheit wird von den anderen als Schwäche gedeutet. Auf diese Weise macht sich ein Kind unbewusst zur Zielscheibe für die Aggressionen der Gleichaltrigen. Solch ein Kind ist ein geradezu willkommenes, weil leichtes, Opfer.

 

Man sagt, wer als Kind Opfer von Mobbing wurde, hat auch später im Leben eine Tendenz dazu, ähnliche Situationen immer wieder anzuziehen. Viele begeben sich unbewusst in eine Opferrolle, weil sie es nicht anders gewohnt sind und kein anderes, gesünderes Verhalten erlernt haben.

 

 

Mobbing am Arbeitsplatz

 

Während sich die unheilvollen Gruppendynamiken für Betroffene von Mobbing früher vor allem in der Schule entfaltet haben, ist später für viele der Arbeitsplatz dieser Ort.

 

Als häufigste Art des Mobbing wird von 63 Prozent der Betroffenen das Vorenthalten von Informationen angegeben. Dicht gefolgt ist das Schlechtmachen durch Kollegen mit 62 Prozent. Eine „besondere Spezialität“ ist das Mobbing durch den Chef. Dieses hat in den vergangenen Jahren sogar einen eigenständigen Begriff erhalten. Erfahrung mit dem so genannten Bossing haben rund 15 Prozent aller Arbeitnehmer mindestens schon einmal gemacht. Wird hingegen der Chef selbst von seinen Mitarbeitern gemobbt, bezeichnet man das heutzutage als Staffing.

 

Vorgesetzte sind theoretisch gesetzlich dazu verpflichtet, sich im Fall von Mobbing für ihre Kollegen stark zu machen. So sieht es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor. Wer also das Gespräch mit dem Vorgesetzten sucht, sollte zumindest rein rechtlich gesehen nicht auf taube Ohren stoßen.

 

In der Realität stellt sich dies aber häufig anders dar, denn wie damals in der Schule, wird auch das Mobbing am Arbeitsplatz häufig bagatellisiert – manchmal sogar von den Opfern selbst. Die Folge ist, dass Betroffene mit der Zeit verstummen und psychisch und physisch erkranken. Die Liste der Symptome ist lang: Demotivation, Verzweiflung, Schlaf- und Essstörungen, Depressionen, Verfolgungswahn und Angstzustände können hier genannt werden. Schlimmstenfalls kommt es zum Suizid.

 

 

Der eigene Anteil: Unangemessene Angst und Totstellreflex

 

Ich bin kein Freund davon, Mobbing alleine einer verinnerlichten Opferrolle zuzuschreiben: Auch Arbeitsstrukturen, in denen Menschen sich täglich mit Persönlichkeiten oder Arbeitsabläufen auseinandersetzen müssen, die nicht gut zu ihnen passen, bieten einen perfekten Nährboden zur Entstehung von Mobbing.

 

Fühlt sich jemand immer wieder gemobbt und setzt sich diese Erfahrung auch bei verschiedenen Arbeitgebern fort, hat es durchaus Sinn, sich die eigene Rolle im Geschehen einmal genauer anzusehen. Warum genau sich Opfer von Mobbing so schlecht wehren können, dazu gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Einer besteht darin, das Stillhalten bei Mobbing schlicht als Angst zu deuten – Angst, etwas falsch zu machen, nicht angemessen zu reagieren, überzureagieren, oder durch eine Reaktion womöglich noch ärgeres Verhalten beim Gegenüber zu provozieren. Was dann Eintritt, ist eine im limbischen System verankerter Totstellreflex, der dem Täter signalisieren soll, dass nun nichts mehr „zu holen“ ist. Die anderen beiden möglichen Reflexe auf einen Angriff wären der Gegenangriff oder die Flucht.

 

Interessanterweise löst der Totstellreflex häufig genau das Gegenteil von dem aus, was er verspricht: Statt sein Opfer in Ruhe zu lassen, fühlt ein Täter sich nun erst recht bemüßigt, ihm das Leben schwer zu machen. Auf Seite des Opfers kommt hinzu, dass es in der Kindheit nicht selten Verbote nach dem Muster „Ich darf mich nicht wehren“ gehört hat. Unterschwellig kommt es dann zwar durchaus zu einer wehrhaften Reaktion, diese bleibt aber sprichwörtlich „im Halse stecken“. Wem ständig etwas im Halse stecken bleibt, der bekommt auf Dauer keine Luft mehr.

 

 

Aufstellung in der Gruppe hilft, versteckte Dynamiken zu erkennen

 

Für mich gilt: Kein Mensch ist alleine auf dieser Welt! Kommt es zu Störungen im zwischenmenschlichen Miteinander, ist das Umfeld immer auf die eine oder andere Weise beteiligt. Eine systemische Aufstellung in der Gruppe ist gut dazu geeignet, versteckte Dynamiken in Beziehungen zu anderen offenzulegen.

 

Erlebt jemand wiederholt Mobbing, kann im geschützten Setting zum Beispiel offen die Frage gestellt werden: Was genau mache ich da eigentlich, das andere so reagieren lässt, wie sie es eben tun? Erst wenn unbewusstes Verhalten bewusst wird haben wir die Chance, es auch zu verändern.

 

Wer sich ständig in eine Opferrolle begibt, trägt aus systemischer Sicht möglicherweise auch eine Schuld, die nicht die eigene ist, zum Beispiel die der Eltern oder der Großeltern. Auch diese Möglichkeit kann in einer Systemaufstellung überprüft werden.

 

 

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Erfolgreiche Strategien gegen Mobbing

 

Eine systemische Aufstellung in der Gruppe kann die dahinterliegenden Dynamiken von Konflikten offen legen – die Dinge aktiv ändern muss jedoch jeder für sich selbst. Dabei können ein gezieltes Coaching und das Anwenden von bestimmten Strategien hilfreich sein.

 

Mobbing beenden: 5 Strategien


 

1. Sich nicht von den eigenen Gefühlen überwältigen lassen

 

Mobbingopfer werden oft von ihren Gefühlen geradezu überwältigt, wenn es zu einer Mobbingsituation kommt. Wenn das eigene System sich wieder reguliert hat ist der Zeitpunkt gekommen, dem Mobbing etwas entgegenzusetzen. Ein möglicher Weg kann sein, einen Tag später das Gespräch zu suchen, explizit auf die vorangegangene Situation zu verweisen und sich solch ein Verhalten künftig zu verbitten.

 

Eine zusätzliche Hilfe ist es sich bewusst zu machen, dass der Mobber womöglich in Wahrheit eigene, negative Themen in einem gespiegelt sieht und allein aus diesem Grund seine Attacken abfeuert. Auch hier sollte man aus Gründen des Selbstschutzes dem Treiben einen Riegel vorschieben.


 

2. Sich nicht selbst die Schuld geben

 

Wer von anderen, beispielsweise von Kollegen, schikaniert wird, hat oft die Tendenz, die Schuld dafür bei sich zu suchen. Die meisten Menschen werden aber nicht aufgrund ihrer schlechten Eigenschaften zum Opfer, sondern weil sie im Gegenteil etwas besonders gut können oder anderen in einem bestimmten Aspekt überlegen sind.

 

Neid ist einer der Faktoren, der auf der Seite der Täter fast immer eine Rolle spielt.


 

3. Sympathiebekundungen gegenüber dem Täter unterlassen

 

Viele Menschen glauben, dass sie fortwährenden Schikanen am schlausten dadurch begegnen, indem sie anfangen den Täter zu umschmeicheln. Wer jedoch andere systematisch fertigmacht, sucht keine Freundschaft! Aufgesetzte Freundlichkeit gegenüber dem Täter ist darum der falsche Weg, Mobbing zu beenden, weil er fast immer ins Leere läuft.

 

Im Nachhinein kann es sich sogar noch schlechter anfühlen als vorher, nämlich wenn auf ein freundliches Angebot und aktives Zugehen auf das Gegenüber keine entsprechend freundlich gesinnte Gegenreaktion kommt. Man selbst läuft Gefahr, sich eine weitere Verletzung einzufangen.


 

4. Niemals auf plötzliche Nettigkeiten anspringen

 

Auch ein Mobber ist in der Lage, bisweilen ein freundliches Gesicht gegenüber seinem Opfer zu zeigen. Gespielte Freundlichkeit ist etwas, worauf man auf keinen Fall hereinfallen sollte! In Wahrheit geht es Tätern am ehesten darum, ihre Opfer zu verunsichern und wieder einzufangen, um anschließend erneut zuzuschlagen.


 

5. Sich nicht auf Diskussionen mit dem Mobber einlassen

 

Häufig sind gerade solche Menschen von Mobbing betroffen, die in schwierigen Situationen immer eine gute Lösung finden wollen. Doch dem Mobber geht es nicht darum, durch ein vernünftiges Gespräch ins Reine zu kommen. Massive Unstimmigkeiten, gerade solche am Arbeitsplatz, sollten darum immer in Anwesenheit weiterer Personen geklärt werden.

 

Hilfreich sind der direkte Vorgesetze oder Personalverantwortliche aus der HR Abteilung, die im besten Fall entsprechend geschult worden sind.

 

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Wiederkehrende Muster: Wie wir sie auflösen und uns endgültig von ihnen befreien

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